RIEJU MRT 125 Cross

scooterundsport.de 09-10 / 2012

Wald & Gebirge

Ob Feldweg oder Piazza, damit ist man ein Ragazzo

Rieju MRT 125 Cross Nach dem MRT 50 im letzten Heft gönnte uns Rieju-Importeur Fernando Pekarek eine Leistungsspritze und stellte den 125er vor die Tür. Prima, liegen unsere letzten Herbst bezogenen neuen Redaktionsräume doch praktisch in der Wildnis. Es wurden bereits Wolfsrudel gesichtet.

Den Motor liefert Zongshen aus China, Nachbau eines Honda der 70er Jahre. Etwas Feinarbeit am Vergaser, dann lief er sauber. Generell kein Leistungsprotz, aber angesichts des niedrigen Preises hält sich die Kritik in Grenzen. Zum Vergleich, das 125er Topmodell Marathon von Rieju verwöhnt mit wassergekühltem Viertakter made by Minarelli in Bologna. Gerade zu ein Rennmotor, allerdings werden 1.400 € mehr aufgerufen. Dessen gedenken wir gerne, wenn der luftgekühlte Chinese etwas länger braucht, um die 100 km/h zu erreichen. Dazu läuft er erfreulich leise und sparsam. Den Kickstarter sucht man vergebens, bei Ausfahrten in die grimmige Natur ein nützliches Anbauteil. Schon Dschingis Khan benutzte auf seinen Eroberungen ausschließlich Mopeds mit Kickstarter.

Ergonomisch paßt der hochbeinige Geländebolzen allen um die l ,90 m, wie dem Fahrer auf den Bildern. Die schmale Sitzbank taugt fürs Endurowandern mit stehender "Sitz"position, längere Autobahnetappen erfordern Sitzfleisch. Das stehen wir durch, sind schließlich: Biker!

Das gelungene Fahrwerk ist herrlich ausbalanciert und kurvenwillig. Auf Asphalt kommen die Stollenreifen rasch ans Limit, erlauben dafür den Genuss eines sehr breiten und ungefährlichen Grenzbereichs. Ein Blick in die Papiere offenbart die Möglichkeit, alternativ Felgen und Reifen des Schwestermodells SM (SuperMoto) einzubauen. Zwei Mopeds in einem also, am Wochenende Sandgrube und sonstauf Straßenreifen unterwegs. Die Bremsanlage hat mit dem leichten Hüpfer keine Sorgen und läßt Kenner angesichts ihrer Stahlflexleitungen mit der Zunge schnalzen. Überhaupt ist die Verarbeitung der spanischen Enduros erstklassig, die hochwertigen Plastikteile verzeihen manchen Sturz im Gelände. Die langhubige Federung stellt natürlich jeden Scooter in den Schatten, solchen Komfort bietet keine Triebsatzschwinge.

Fazit:
Pfiffige Alternative für alle 125er-Fahrer, die nicht unbedingt einen Scooter wollen. Und gerne mal Gelände fahren.

Zweifellos bringen Geländebolzen eine Menge Prestige, selbst wenn man damit nur zur Schule fährt. Denn jeder sieht: Aha. ein harter Hund! Pflicht ist cooles Abstellen am Seitenständer.


Plus

  • Laufkultur, Verbrauch, Fahrwerk, Bremsen, Federung, Ergonomie, Verarbeitung


Minus

  • Motorleistung, Sitzkomfort, Spiegel

TECHNISCHE DATEN
Motor: Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, B0hrung x Hub 56,5 x49,5 mm, Hubraum 124 cm3,. Obenliegende Nockenwelle, 2 Ventile, Schiebervergaser, Saugrohr-Ø 26 mm, Verdichtung 10,5. Sekundärluftsystem, Generator 120 W
Leistung: 7,8 kW/10,6 PS bei 8.750/min
Kraftübertragung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad, manuelles 5-Gang-Getriebe, Kette
Fahrwerk: Geschweißter Stahlrohrrahmen, Telegabel vorn, Federweg 250 mm, Standrohr-Ø 37 mm, Stahlrohrschwinge, 1 Federbein, Federweg 230 mm. Scheibenbremse vorn, Ø 220 mm, Einkolbenzange. Scheibenbremse hinten, Ø 180 mm Einkolbenzange. Alufelgen, Reifen 80/90-21 vorn, 110/80-18 hinten
Maße/Gewichte: Lenkerhöhe 1.120 mm, Lenkerbreite 790 mm, Sitzhöhe 890 mm, Fußrastenhöhe 380 mm, Radstand 1.380 mm, Gewicht vollgetankt 110 kg, Radlastverteilung v/h 48/52%, Zuladung 190kg
Ausstattung: E-Starter, manueller Choke, Licht HS1 35/35 W. 2 Rückspiegel, Seitenständer, Digital-Cockpit mit Tacho. Uhr, Tageskilometerzähler
Service: alle 4.000 km
Minimales Digital-Cockpit, Tank mit Entlüfterschlauch, Klassischer Viertakter.
Rasten wie Steigeisen, Armaturen prima, Offener Kettenantrieb.